Alle dienen gemeinsam
Du bist Kein Christ zweiter Klasse: Gott hat dir Gaben gegeben
Neulich hörte ich in einem christlichen Podcast wieder Gedanken über biblische Geschlechterrollen.
Es ging sinngemäß darum: Männer führen, Frauen folgen. Männer übernehmen eher die handwerklichen Dinge. Reifen wechseln und so. Frauen sind eher für Haushalt und andere „typisch weibliche“ Aufgaben zuständig.
Und ich dachte nur: Sind wir nicht langsam über diese alten Rollenmodelle hinaus?
Dabei sage ich das nicht von oben herab. Ich habe selbst einmal so gedacht und gelebt. Vor über 20 Jahren, damals in meiner Ehe, habe ich mich auch als eine Art Chef der Familie gesehen. Ich bin ziemlich sicher, dass ich damit auch meine Frau verletzt habe.
Genau deshalb ist mir dieses Thema wichtig.
Rollenbilder sind nicht einfach harmlose Meinungen. Sie richten echten Schaden an und belaste Beziehungen. Sie halten Menschen klein und Gaben die Gott gegeben hat verkümmern wie eine Pflanze, die kein Wasser bekommt.
Mir gehts dabei auch nicht nur um Männer und Frauen.
Sondern um eine viel größere Frage.
Wie viele Gaben werden unter Christen eigentlich verschwendet, weil wir Menschen in falsche Schubladen stecken?
Hier gehts zum Video mit dem Titel: Geistliche Gaben: Du bist kein Christ zweiter Klasse.
Echte Unterschiede gibt es – aber Klischees reichen nicht
Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
Alles, was mit biologischen Funktionen zu tun hat, ist offensichtlich. Frauen können Kinder austragen, gebären und stillen. Männer sind oft körperlich stärker als Frauen. Wenn also eine Waschmaschine in den Keller getragen werden muss, kann es durchaus sein, dass der Mann das übernimmt.
Aber danach wird es schnell dünn mit den eindeutigen Unterschieden.
Ich bin zum Beispiel handwerklich eher unbegabt. Meine damalige Frau war mir darin deutlich überlegen. Wenn es nicht gerade um Körperkraft ging, war sie bei handwerklichen Dingen im Haus die bessere Adresse.
Manche Frauen können wunderbar Projekte leiten, andere haben eine Lehrgabe. Es gibt Männer, die hervorragend zuhören und welche mit praktischer Begabung. Manche Menschen sind still und weise und andere stehen auf der Bühne und sind völlig unreif.
Deshalb sollten wir Menschen nicht zuerst nach Rollenklischees beurteilen, sondern danach fragen:
Was hat Gott diesem Menschen gegeben?
Welche Gaben sind da?
Was ist seine Berufung?
Wie ist sein Charakter?
Es geht um mehr als Männer und Frauen
Das Thema ist größer als die Frage, was ein Mann darf oder eine Frau.
Es geht grundsätzlich darum, dass alle Christen, die zu Jesus gehören, Diener Gottes sind. Priester. Beteiligte. Menschen, die etwas empfangen haben und das weitergeben sollen.
Das allgemeine Priestertum eben.
Das bedeutet: Nicht nur besonders gesalbte Leiter dürfen mitarbeiten. Nicht nur Männer. Nicht nur Pastoren. Nicht nur Menschen mit Titel, Amt oder offizieller Erlaubnis.
Alle Christen gehören zu Jesus und sind Teil seines Körpers. Alle haben etwas bekommen. Auch du wirst gebraucht.
Wenn du zu Jesus gehörst, bist du kein Zuschauer. Du bist Teil seines Körpers.
Und der tut etwas.
Er
handelt.
bewegt sich.
hat Fähigkeiten.
besteht nicht aus einem redenden Mund und alle anderen Körperteile sind im Koma.
In Christus beginnt etwas Neues
Für mich sind dabei zwei Bibelstellen besonders wichtig.
In Galater 3 beschreibt Paulus, dass in Christus die alten trennenden Kategorien nicht mehr die entscheidende Rolle spielen: Jude oder Nichtjude, Sklave oder frei, Mann oder Frau. Entscheidend ist die Zugehörigkeit zu Jesus Christus.
Das heißt nicht, dass alle Unterschiede einfach verschwinden.
Aber es heißt: Diese Unterschiede definieren nicht mehr deinen geistlichen Wert. Sie entscheiden nicht darüber, ob du vor Gott brauchbar bist. Sie machen dich nicht zu einem Christen erster oder zweiter Klasse.
Die zweite Stelle ist 2. Korinther 5. Dort schreibt Paulus, dass er Menschen nicht mehr nach menschlichen Maßstäben beurteilt. Wer in Christus ist, ist eine neue Schöpfung. Das Alte ist vorbei, etwas Neues hat begonnen.
Das ist krass.
In Christus werden Menschen nicht mehr durch Herkunft, Status, Geschlecht oder alte Schubladen definiert. Sondern durch Jesus Christus.
Durch ihre Zugehörigkeit zu ihm das neue Leben in ihm.
Durch Charakter, Hingabe, Gaben und Berufung.
Wenn eine Gabe am Herd landet
Stell dir vor, Gott gibt einer Frau die Gabe zu lehren.
Sie liebt Jesus, kennt die Bibel und hat geistliche Klarheit. Sie kann Menschen helfen, Gottes Wort besser zu verstehen.
Aber dann kommt ein frommes Rollenklischee und sagt:
„Geh lieber an den Herd. Back einen Kuchen für Sonntag nach dem Gottesdienst. Das ist deine wichtige Rolle.“
Nichts gegen Kuchen, wenn der einem wichtig ist…..
Aber wenn Gott jemandem die Gabe zu lehren gegeben hat und diese Gabe nicht eingesetzt wird, dann wird etwas verschwendet.
Und zwar nicht nur zum Schaden dieser Frau.
Das ist der wichtige Punkt.
Wenn sie ihre Gabe nicht einbringen darf, fehlt sie auch den Menschen, denen sie eigentlich dienen sollte. Menschen, die von ihrer Klarheit, ihrer Lehre, ihrer Ermutigung oder ihrer geistlichen Einsicht profitieren könnten.
Gaben sind nie nur für dich da.
Wenn Gott dir etwas gegeben hat, dann soll es anderen dienen. Wenn du es zurückhältst oder wenn andere dich daran hindern, fehlt nicht nur dir was.
Sondern auch den anderen.
Der Körper von Jesus Christus ist nicht passiv
Paulus beschreibt die Gemeinde in 1. Korinther 12 als Körper.
Ein Körper hat viele Teile. Auge, Ohr, Hand, Fuß – und noch viel mehr. Nicht jedes Körperteil macht dasselbe. Aber jedes hat seinen Platz.
Die Hand kann nicht sagen: Ich brauche den Fuß nicht. Das Auge kann nicht sagen: Ich brauche die Hand nicht. Der Körper funktioniert nur, wenn die Glieder zusammenwirken.
Diese Realität ist sehr einfach.
Und trotzdem leben manche Christen so, als wäre Christsein vor allem: Einer redet, alle anderen sitzen still.
Natürlich gibt es Zeiten, in denen einer spricht und andere zuhören. Das ist nicht automatisch falsch. Aber das Neue Testament kennt keine dauerhafte Zuschauerklasse.
Dazu passen auch die über 51 Einander-Stellen in der Bibel.
Dient einander.
Liebt einander.
Ermutigt einander.
Lehrt einander.
Ertragt einander.
Vergebt einander.
Ordnet euch einander unter.
Das betrifft alle.
Nicht nur Frauen den Männern. Nicht nur Mitglieder den Leitern. Nicht nur „normale Christen“ den besonders Wichtigen.
Gegenseitige Unterordnung betrifft die ganze Gemeinde.
Und vielleicht haben wir davon bisher etwas zu wenig gehört.
Meine Taufe im Jordan – und was ich dort gelernt habe
Ich habe dieses Prinzip sehr früh erlebt.
Vor ungefähr 25 Jahren war ich in Israel. Ich arbeitete dort 18 Monate in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Zu dieser Zeit war ich frisch zum Glauben gekommen. Ich hatte die Bibel gelesen und war überzeugt: Ich will zu Jesus gehören.
In dieser Zeit verstand ich auch, dass ich mich taufen lassen sollte und wollte.
Dort lernte ich eine christliche Frau kennen, die sich ebenfalls taufen lassen wollte. Ihr Vater kam zu Besuch. Zusammen mit einem anderen Mann, der bereits in Israel lebte, tauften sie uns beide im Jordan.
Das war für mich ein wundervolles Erlebnis.
Aber einen Satz danach habe ich nie vergessen.
Einer der beiden sagte zu mir:
„So, Holger. Die nächste Taufe führst du jetzt selbst durch.“
Und ich dachte: Ja, logisch. Klar. Warum nicht?
Für mich war das selbstverständlich.
Und genau das habe ich später auch getan. Ich habe Menschen im Jordan getauft, in Deutschland in einem See und sogar in einer Badewanne – darunter meine eigenen Kinder.
Warum erzähle ich das?
Weil es ein Prinzip zeigt: Es geht um Beteiligung, nicht ums Zuschauen.
Jesus hat seine Jünger nicht endlos nur beobachten lassen. Sie durften sehr früh Dinge tun. Auch taufen. Nicht Jesus taufte, sondern seine Jünger.
Denn nicht jede einfache geistliche Handlung muss künstlich verkompliziert werden, bis am Ende nur noch eine kleine Sonderklasse übrig bleibt, die überhaupt etwas tun darf.
Manche Christen konsumieren viel – aber üben wenig
Sind wir ehrlich: Manche Christen konsumieren viel.
Sie hören Predigten. Sie lesen Bücher. Sie schauen Videos, z.b. meine. :-) Sie nicken innerlich . Aber üben wenig.
Und wenn du deine Gaben nicht anwendest, wirst du auch nicht sicherer. Wenn du sie nicht trainierst, werden sie nicht reifer. Wenn du sie nicht einsetzt, findest du oft gar nicht heraus, was Gott dir gegeben hat.
Vielleicht bist du gerade in einer Gemeinde, in der du dich nicht einbringen kannst.
Oder bist gerade in gar keiner.
Willkommen im Club.
Ich selbst bin seit 16 Jahren nicht mehr Teil einer sogenannten Gemeinde. Aber ich habe in dieser Zeit nicht geistlich geschlafen. Ich habe versucht, meine Gaben herauszufinden, einzuüben und zu trainieren.
Zum Beispiel die Gabe des Lehrens.
Dieses YouTube-Video und dieser Artikel sind mein erster Schritt, diese Gabe wieder öffentlich im christlichen Kontext einzubringen. Vorher habe ich über Jahre in anderen Bereichen geübt, auch mit nicht christlichen Themen. Ich hatte damals niemanden, dem ich von Jesus erzählen konnte. Also habe ich meine Fähigkeit in anderen Kontexten trainiert.
Und das ist besser, als gar nichts zu tun.
Du kannst
Menschen ermutigen.
zuhören.
schreiben.
beten.
handwerklich helfen
Gespräche führen.
geistliche Gedanken verständlich ausdrücken.
Es gibt viele Möglichkeiten, Gaben zu entdecken und einzuüben.
Fang klein an
Wenn du nicht weißt, welche Gaben Gott dir gegeben hat, kann ein Gabentest ein praktischer Einstieg sein.
Mir hat vor über 20 Jahren das Buch „Die 3 Farben deiner Gaben“ von Christian A. Schwarz geholfen, meine Gaben und meine Berufung klarer zu erkennen.
Natürlich ist kein Test eine geistliche Zauberformel. Ein Buch ersetzt nicht Gebet, ehrliche Selbstprüfung und Rückmeldung von anderen Christen.
Aber es kann ein Anfang sein. Fang klein an.
Übe.
Trainiere.
Diene.
Probiere aus.
Wachse.
Lerne.
Du bist kein Christ zweiter Klasse. Du bist nicht nur Zuschauer. Du bist Teil der Gemeinde von Jesus Christus.
Er hat dir etwas gegeben und anvertraut. Das ist nicht dafür gedacht, in einer Schublade zu verstauben.
Denn wenn du deine Gabe nicht einbringst, leidest du. Aber nicht nur du.
Auch die Menschen leiden, denen du mit dieser Gabe dienen darfst.
Mach dich nicht kleiner, als Gott dich gemacht hat
und auch nicht größer.
Mache also Fehler und bleibe lernbereit. Übe und diene anderen mit dem, was Gott dir gegeben hat.
Warte nicht bis du perfekt bist.
Oder bis dich jeder versteht.
Spoileralarm: Diese beiden Dinge passieren nie!
Die entscheidende Frage ist:
Welche Gabe hat Gott dir gegeben – und welche Schublade hält dich noch davon ab, sie einzusetzen?
Vielleicht Rollenbilder und Menschenfurcht oder
schlechte Erfahrung und Bequemlichkeit.
Vielleicht Gefühle und Gedanken wie: „Andere können das besser.“
Was es auch immer ist:
Wir werden es überwinden – gemeinsam und auch jeder für sich.
Frage:
Welche Gabe hat Gott dir gegeben – und welche Schublade hält dich noch davon ab, sie einzusetzen?
Schreib mir gern eine Antwort hier im Blog oder unter dem Video.
Buchtipp: Die 3 Farben deiner Gaben von Christian A. Schwarz